#076 Häuser des Jahres

Bachmann,Kaminer_HdJ15_finalAls Architekt baut man nicht unbedingt für die Ewigkeit, jedoch für die nächsten, sagen wir mal  30-60 Jahre. Mit diesem Wissen im Hinterkopf versucht man seine Entwürfe relativ frei von modischen Elementen zu halten und den 10-Jahres Strömungen, die auch die Architektur irgendwann und zwangsläufig erfassen, nicht zu sehr zu unterliegen. Als Jahrgang 1973 bin ich mit den Grausamkeiten der 70er und 80er Jahre Architektur aufgewachsen, die meinen Augen häufig keinerlei ästhetischem roten Faden folgt, sondern viel Material, Form und Farben vereint, einfach nur, weil man es konnte.

Dennoch wird man jeden Tag mit neuen Trends konfrontiert, recherchiert welchen Ideen die Kollegen erlegen sind und geht selbst im Urlaub auf Architektur-Exkursion. Alles für die persönliche Fortbildung.

Da man jedoch nicht an allen Orten gleichzeitig sein kann und durch die Arbeit und sonstige Verpflichtungen nicht alles Verfolgen kann, was in einem Jahr im deutschsprachigen Raum gebaut wird, haben die Autoren Kaminer und Bachmann auch dieses Jahr wieder einen neuen Band mit den besten Häusern des Jahres herausgebracht.

Zum fünften Mal lobte der Callwey Verlag in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Architektur Museum und der Unterstützung des InformationsZentrum Beton sowie Kaldewei den Wettbewerb „Häuser des Jahres – die besten Einfamilienhäuser“ aus. Die überzeugend besetzte Jury erkor im Februar 2015 aus 228 Einreichungen 50 Projekte und benannte aus diesen einen Preisträger und sechs Anerkennungen. Dabei wurde Wert auf Nachhaltigkeit, innovativen Einsatz von Materialien, kreativen Umgang mit der baulichen Situation und auf konsequente Ausführung gelegt. Das Buch zum Wettbewerb präsentiert diese 50 besten Häuser – mit zahlreichen Fotos, Lage- und Architektenplänen und aussagekräftigen Projektbeschreibungen aus der Feder von Wolfgang Bachmann, Publizist und ehemaliger Herausgeber des Architektur-Magazins Baumeister. Und der in Moskau geborene deutsche Bestsellerautor Wladimir Kaminer, steuert die Einleitung bei.

Den mit 10.000 Euro dotierten ersten Preis gewann Bernardo Bader Architekt aus Dornbirn in Österreich mit seinem Projekt „Behauste Scheune“. Die Jury war begeistert von diesem selbstverständlichem, im Detail aber meisterhaft geprägtem Haus, welches unter anderem durch die geschickte Verwendung nachhaltiger Materialien überzeugt. In den Bodendielen lässt sich wiederverwendetes Holz aus dem ehemaligen Bauernhaus finden, das Holz der Fassade stammt aus dem nahegelegenen Wald und  im Inneren dann eine Art „Tisch“ aus Sichtbeton, der die tragende Decke und Wänden umfasst und als massiver Speicher die Wärme der Fußbodenheizung aus Erdwärme aufnimmt.

Anerkennungen gingen an:

pedevilla architects, Bruneck (I), für das Einzelstück (Mühlen in Taufers);

L3P Architekten, Regensberg (CH), für den Weinstockbau (Dielsdorf CH);

Marazzi Reinhardt, Winterthur, für Zeugnis Geben (Beggingen (CH);

Architekturbüro Scheder, Stelzenberg, für Rank und Schlank (Kaiserslautern-Hohenecken)

Innauer Matt Architekten, Bezau (A) für Feinheiten (Egg  A);

savioz fabrizzi architectes, Sion (CH), für Fest Ummauert (Conthey CH

 

Architektur ändert sich glücklicherweise nicht so rasch wie Damenmode oder Autodesign. Dennoch verführt der alljährlich, nunmehr zum fünften Mal ausgelobte Preis „Häuser des Jahres“ unvermeidlich dazu, die turnusmäßige Ausbeute zu bilanzieren: Was war anders? Gibt es Tendenzen, Schwerpunkte, Entwicklungen auszumachen? Setzen sich Bauweisen, Typologien oder bestimmte Materialien durch? Aber das Verfallsdatum muss man noch suchen.

Dennoch entdeckt die Jury jedes Jahr ein subjektives Bild, wie man in Österreich, der Schweiz und in Deutschland wohnt, zumindest wie sich das Wohnen auf den eingereichten Arbeiten abbildet. In manchen Jahren waren es Vorlieben für bestimmte Möbel, die immer wieder wie verabredet auf den Fotos auftauchten. Gerne auch Kinder, die der aufgeräumten neuen Umgebung ungeniert den Beweis wohnlich-legerer Familienfreundlichkeit geben sollten. In diesem Jahr hatten die Fotografen den Hund entdeckt. Als dankbares Requisit durfte er immer wieder auf Terrassen liegen, Kaminplätze okkupieren oder als pelziger Gefährte in der geradlinigen Räson der Architektur kuscheln.

Professionelle Innen- und Außenaufnahmen zeigen jedes Objekt von seiner besten Seite, daneben stehen die Pläne der Architekten sowie Gebäudedaten und Projektbeschreibungen als wissenswerte Hintergrundinformation. Die Grundrisse und Schnitte sind bis auf wenige Ausnahmen im Maßstab 1: 200 wiedergegeben. Das heißt: 1 Zentimeter im Plan entspricht 2 Metern in der Wirklichkeit. Um die Einbindung des Gebäudes in das städtebauliche Umfeld sowie seine Orientierung und Situation auf dem Grundstück zu verstehen, ist jeweils ein nicht maßstäblicher, genordeter Lageplan abgebildet. Das beschriebene Haus ist dort farblich hervorgehoben.

Erste Bilder aus dem Buch gibt es hier zu sehen:

Häuser des Jahres 2015

cm  01/2016

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